„Die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise liegen seit langem auf den Tisch. Sie werden von den innovativen Unternehmern und Institutionen seit Jahren erprobt und weiter entwickelt, jetzt müssten sie nur noch als relevante Größen in den internationalen Wirtschaftskontext integriert werden.“
1. Neue Bilanzierungsregeln
Die in Basel II festgeschriebenen Bilanzierungsregeln sichern jenen Unternehmen die beste Bonität, die nachweislich in möglichst kurzer Zeit mit möglichst geringem Risiko möglichst viel Gewinn erzielen. Wozu das führt, haben zum Beispiel die „Heuschrecken“ bewiesen: weniger Mitarbeiter, weniger Forschung & Entwicklung und letztendlich Zerschlagung von Unternehmen. Wegen solcher Maximen konnte die Finanzblase erst entstehen.
Gefordert ist deshalb ein Basel III mit neuen Bilanzierungsregeln: Die Bonität von Unternehmen muss an Faktoren wie die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Geschäftspartnern sowie ökologische Aspekte geknüpft werden. Neben dem Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital muss sich etwa auch das Verhältnis zwischen Gewinn und Mitarbeiterzufriedenheit auf die Bonität auswirken.
„Wer nachhaltig wirtschaftet, bekommt damit günstigere Kredite und hat leichteren Zugang etwa zu Risikokapital“, erklärt Robert Rogner. „Die Vorarbeiten dafür seien bereits geleistet. Rogner: „Viele Unternehmen legen schon von sich aus Nachhaltigkeitsberichte, und Institutionen wie das Europäische Forum für Qualitätsmanagement verfügen längst über objektive Bewertungssysteme.“
2. Qualifikation
Von den derzeit agierenden Wirtschaftskapitänen ist kaum zu verlangen, dass sie die Krise, die sie selbst verursacht haben, meistern. Sie haben den Schaden ja nicht aus bösem Willen angerichtet, sondern weil sie an den Universitäten und Managementschulen den Shareholder Value als einzige Religion mitbekommen haben und auf Gewinnmaximierung um jeden Preis eingeschworen wurden. Maximalem Stress ausgesetzt, haben sie vielfach das Reflektieren der Folgen ihres Handelns verlernt und mangels Außensicht blinde Flecken entwickelt.
Die derzeitigen Akteure können aber auch nicht einfach ausgewechselt werden. Es geht also darum, ein neues Bewusstsein in der bestehenden Management-Elite zu schaffen. In neuen Bewertungssystemen für die Unternehmen muss deshalb auch berücksichtigt werden, wie viel Zeit im Jahr Spitzenmanager für Selbstreflexion und Selbstreinigung in geistiger, seelischer und körperlicher Hinsicht aufwenden.
„Es geht nicht etwa um einen zusätzlichen Urlaub, sondern um einen planmäßigen, vom Unternehmen verlangten Rückzug, wie er etwa im japanischen Spitzenmanagement Tradition hatte“, betont Johannes Gutmann. „Denn nur wer sich innerlich selbst umgestellt und gereinigt hat, kann die Wirtschaft umstellen und reinigen.“
3. Globale Verantwortung
Die Wirtschaft der Industriestaaten ist zum Teil auf Kosten der Schwellen- und Entwicklungsländer immer höher in den Himmel gewachsen. Mit zunehmender Höhe wird aber die Statik immer schwieriger. Deshalb geht es jetzt um den globalen Ausgleich, der ebenfalls in den Bewertungsrichtlinien für Unternehmen berücksichtigt werden muss.
„Jedes Unternehmen kann einen Beitrag zu diesem Ausgleich leisten“, sagt Josef Zotter, der den Kakao für seine Schokolade bei kleinbäuerlichen Partnerbetrieben in Süd- und Mittelamerika kauft. „Wer nicht selbst international agieren kann, kann sich der Fairtrade-Netzwerke bedienen.“
„Die Industriestaaten werden dann etwas kürzer treten müssen, was ihren Bevölkerungen aber mehr Lebensqualität bringt“, so Zotter weiter. „Denn der Wachstumswahn hat eines der wichtigsten Güter der Menschheit, die Zeit, unerträglich verknappt. Globaler Ausgleich bringt Entschleunigung.“

Rückfragehinweis
Johannes Gutmann
Sonnentor. T. 02875 7256
http://www.sonnentor.at/
Robert Rogner jr.
Rogner International Hotels & Resorts. T. 04242 23237 10
http://blumau.com/
Josef Zotter
Zotter Schokoladen Manufaktur. T. 03152 5554
http://www.zotter.at/
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24 Kommentare:
Selbstreflextion und sich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen - Ansatzpunkte eines verantwortlichen Verhaltens, die man nur allzugern vergisst. Ich würde mir wünschen, wenn noch (viel) mehr Unternehmerinnen und Unternehmer diesen Weg mitgehen würden.
Ich freue mich, dass erfolgreiche Unternehmer um- und mitdenken, danke für diesen Anstoß, ich hoffe, viele ziehen mit, im privaten und wirtschaftlichen Bereich
als unternehmerin unterstütze ich diese gedanken sehr und gratuliere zu dieser aktion. es geht um die menschen und wie wir mit ihrem arbeitsplatz, ihrer zeit und ihrer wertschätzung in zukunft umgehen.
eine wichtige und zeitgemäße initiative, die ich aus ganzem herzen unterstütze - damit auch das wirtschaftliche leben endlich ganzheitlich betrachtet wird: soft skills statt hard facts! ich bin dabei, damit sich was bewegt - im sinne der menschen, deren arbeit berufung ist und nicht job! und im sinne jener unternehmerinnen, die arbeit in diesem sinne zur verfügung stellen!
Ichwürde mir wünschen, dass diese Grundsätze einem viel breiteren Publikum zugänglich gemacht werden; beispielsweise in den gängigen Tageszeitungen in Form einer Anzeige oder als Beilageblatt.
Die drei Herren sprechen mit aus dem Herzen!!
Das vorherrschende Ziel des Wirtschaftswachstums hat unsere natürlichen Lebensgrundlagen und unser seelisches Wohlbefinden in schwere Bedrängnis gebracht. Das einzige, was wachsen sollte, ist die Lebensqualität aller Menschen auf dem Planeten, einhergehend mit einer immer positiver werdenden subjektiven Wahrnehmung dieser Lebensqualität. Anders formuliert Naturkapital, Humankapital und Sozialkapital sollen wachsen; Sach- und Finanzkapital werden zu Dienern dieser übergeordneten Kapitalformen. Das Bad Blumauer Manifest weist klar in diese Richtung. Ich bin begeistert. Danke!
WIR(t)SCHAFT ist das, was WIR gemeinsam schaffen. Der Gedanke der Gemeinsamkeit, der Gedanke die Freude an der Arbeit zu fördern und die Früchte dann fair zu teilen, das ist das Ziel und auch der Weg, um aus der "BILLIGER-SPIRALE" herauszufinden. Denn jeder Schrei nach billiger, drückt irgendwo auf dieser Welt den Lohn eines Menschen und maximiert eine Illusion. Der Ansatz dieses Manifestes weist in die richtige Richtung - helfen WIR MIT! Danke.
Lieber Johannes Gutmann, lieber Robert Rogner jr., lieber Josef Zotter!
Als ich von Eurem "Bad Blumauer Manifest" zufällig durch die Sendung Vera erfahren habe, habe ich sofort im Internet das Manifest gesucht, gefunden, ausgedruckt und mit Interesse gelesen. Aus der Finanzkrise richtige Schlüsse zu ziehen, finde ich sehr wichtig. Es bedarf klarer Regeln und Kontrolle. Luftgeschäfte müssen in Zukunft verhindert und Steueroasen geschlossen werden. Es ist unerträglich, dass auch in Österreich die Armut steigt und nur wenige ihren großen Reichtum vermehren. Eine Neuausrichtung der Wirtschaft auf das Gemeinwohl mit ethischen Wertvorstellungen sind dabei zentrale Überlegungen. Dass erfolgreiche Unternehmer selber einen neuen Weg des Wirtschaftens beschreiten und dazu auch ein Manifest verfassen, finde ich sehr mutig und begrüßenswert. Mir ist eine solide öko-soziale Marktwirtschaft und sozialer Ausgleich sehr wichtig. Gratuliere herzlich dazu und hoffe auf rege Vorbildwirkung für viele andere Unternehmen.
Was die Neuausrichtung des Finanzsystems betrifft, möchte ich auch auf die attac-Forderungen hinweisen (www.attac.at).
Ich selbst war in den 80-er Jahren in der Regionalentwicklung tätig und wir haben damals das Konzept der Eigenständigen Regionalentwicklung erarbeitet und erprobt. Allerdings wurde unser Konzept dann von der neoliberalen Wirtschaftspolitik überrollt (Kurzfassung dazu unter www.argeregionkultur.at /Aktuelles. Seither bin ich in der Kulturarbeit tätig. Weiters organisiere ich die Winnetou-Festspiele in Winzendorf (www.winwi.at)
Ich bin es leid Tochterunternehmen abwerten zu müssen, wenn sie in den nächsten Jahren nicht mindestens 12% Ertrag bringen (so lauten aber die Bilanzierungsvorschrift) und mehr Zeit auf „Steueroptimierung“ und „Bilanzgestaltung“ aufzuwenden als auf nachhaltige Entwicklung. Ich sehe die Aufgabe des Managements darin nachhaltig Werte zu schaffen. Wir sollten Manager danach bewerten welche Werte sie aufgebaut haben und zwar langfristig, z. B. nach 10 Jahren. Ich arbeite zum Glück seit 2 Jahren in einem Unternehmen wo dies gelebt wird (www.oekostrom.at) halte es aber für notwendig, dass viele Ausnahmeunternehmen wie Rogner, Zotter, Sonnentor und auch die oekostrom den andern vorzeigen, wie ein nachhaltiges schaffen von Werten funktioniert um dann viele Nachahmer zu finden. Danke für das Manifest Ihr sprecht mir aus dem Herzen.
Michael Pierer
Vorstand oekostrom AG
dass unternehmen sich (natürlich) vieler stakeholder bedienen, um ihrer tätigkeit nachzugehen und dann den erfolg dieses tuns nur an der rendite einer stakeholdergruppe (der investoren) zu messen, kann auf dauer nicht funktionieren
ich halte es für sinnvoll (und herausfordernd), wirtschaftlichen erfolg an der rendite, die allen stakeholdern entsteht, festzumachen
Ein Reform der Bilanzierungsinhalte und damit eine Ausweitung der Bewertungskriterien auch auf die immateriellen Unternehmenswerte ist auch im Licht der ökonomischen Vernunft äußerst sinnvoll, da die Bilanz den tatsächlichen und nachhaltigen Unternehmenswert und das Wertschöpfungspotenzial des Unternehmens widerspiegel soll.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die wertvollen Arbeiten des Arbeitssoziologen und Vordenkers der "Sinnorientierten Führung" Dr. Walter Böckmann hinweisen, der eine SINN-BILANZ entwickelt hat (inkl. Fragebögen und Bilanzierungskriterien) - als Grundlage einer tatsächlichen Leistungsbilanz (auf der Basis der Frankl'schen Wertekategorien). Der Ansatz ist sowohl theoretisch gut fundiert als auch praxisbezogen und -erprobt; wie z.B. im Kapitel "Leistungsbilanz als Sinn-Bilanz der Arbeit" (in: W.B.: "Sinnorientierte Führung als Kunst der Motivation, S. 142 ff.) sowie im Kapitel "Sinn-Bilanz und Sinn-Kompensation
am Arbeitsplatz" (in: W.B.: "Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten, S. 187 ff.) dargelegt. (Infos zu den Bücher unter:
http://www.AndreasMascha.de/VAM-littera.pdf ).
Zum Punkt 2 des Manifests:
Hier geht es tatsächlich um einen neuen, zukunftsfähigen Management- und Führungsstil, der etabliert werden muss.
Richtungsweisende Ansätze hierfür sehe ich z.B. im Integralen Management-Ansatz (http://www.flowManagement.de/AIM/IM-Essay1.pdf) und im Sinnorientierten Führungsstil (http://www.SinnorientierteFührung.de ); hier
wäre dann auch die Globale Verantwortung (Punkt 3) - als logische Konsequenz eines Integralen Bewusstseins - implizit mit eingeschlossen. Soweit ein kleines Feedback und für die Ausbreitung des Manifests alles Gute!
Andreas Mascha
Viele Jahre als Controllerin in einem internationalen Konzern tätig, wurde mir der Shareholder-Value Fokus täglich bis zur persönlichen Untragbarkeit bewusst.
Auch heute werden in multinationalen Unternehmen, Kennzahlen dem erfolgsorientierten Management zu Zielvorgaben gemacht, deren Sinnhaftigkeit und Plausibilität nicht im Einklang mit Wertschöpfung und langfristiger Orientierung des Unternehmens stehen.
Nicht nur neue Bilanzrichtlinien, auch überarbeitete Gehaltsschemata und Bonifikationsmodelle für das Management sind gefragt.
Stakeholder-Value vor Shareholde-Value.
Dieser Ansatz gibt Hoffnung auf Nachhaltigkeit bei Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Erfolg eines Unternehmens.
Ich freue mich immer wieder über solche Denkansätze - als Teamleiter im WWF für Firmenkooperationen haben und hatten wir engen Kontakt zu allen drei Unternehmen, die nur deshalb so "gut" geworden sind, weil Menschen dahinterstehen, die sich einfach mehr Gedanken als andere machen. Vor allem das Gut "Zeit" ist für mich persönlich auch wichtiger als das Gut "Geld"...Zufriedenheit schafft Erfolg....weiterhin alles Gute Blumau, Zotter und Sonnentor. Ich stehe voll hinter dem Manifest!
Sehr geehrte Verfasser,
weil ich aufgefordert wurde, zum o.g. Papier meine Meinung zusagen, will ich das tun.
Ich schicke vorweg, dass ich ein ökonomischer Laie bin. Von dem, was ich aus der Marxschen Kapitalismus-Analyse mitbekommen habe, meine ich jedoch soviel verstanden zu haben, dass die Profitmaximierung eines der Grundgesetze kapitalistischen Wirtschaftens ist. Ich vermag im Moment nicht zu sehen, dass dieses Gesetz durch parlamentarisch verankerte Regelungen außer Kraft gesetzt werden könnte. Die von Ihnen angestrebte Einführung solcher nicht-profitorientierter Bilanzierungsregeln, wie Sie diese mit "Basel III" umschreiben, halte ich - leider - für illusorisch. Dabei möchte ich betonen, dass die von Ihnen angestrebten humanen und ökologisch motivierten Regeln durchaus hohen ethischen Standards, sowohl aus christlicher, wie auch aus allgemein humaner Sicht genügen. Ich sehe nur keine Subjekte, die die Macht haben, solche Änderungen durchzusetzen.
Somit bleiben die klassischen Marxschen Einsichten, dass die wichtigsten Ressourcen der Erde und die wichtigsten Produktionsmittel der Allgemeinheit zu übertragen sind, m.E. die einzige Hoffnung auf Veränderung einer global nicht zu verantwortenden Wirtschaftsweise.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Franz
ev.-luth. Theologe
http://www.buecherstube-taubach.de/
"WEF hätte ein welterfolg sein können" ... hier ein link zum schmökern:
http://www.malik-mzsg.ch/corporate/htm/1663/de/Malik_Management_Mail_-_Ausgabe_34_-_05.02.2009.htm?WebVersionID=Top
Ich nehme war, daß glücklicher Weise immer mehr Menschen die Notwendigkeit von neuen Spielregeln erkennen, diese einfordern und dafür auch persönliche Wegbereiter sind. Weg von einer kurzfristigen Betrachtung, hin zu einer nachhaltigen Schaffung von Werten gepaart mit moralischer Verantwortung für das involierte Umfeld.
Ganz wichitg ist in diesem Zusammenhang die Förderung oft erwähnten "Zivilcourage", dh. der Schutz und die pers.Integrität vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst, ohne Rücksicht auf ev. auch eigene Nachteile. Da gibt es noch großen Nachholbedarf! Vorbilder in der Familie sind sicherlich Schlüsselfiguren für die nachfolgenden Generationen.
Alexander Quester
Ich freue mich sehr und bin dankbar, dass visionäre, mutige und vor allem menschliche Unternehmer hier und jetzt die Tat ergreifen und aussprechen, was auszusprechen ist. Wenn ich in irgendeiner Weise unterstützen kann, biete ich meine Hilfe für Ihre Initiative gerne an. Gemeinsam erschaffen wir eine eine bessere, gerechtere und schönere Welt!
Die verbreitete Meinung ist, daß diese Krise vorübergehend ist und daß
wir bald wieder normale Zustände haben werden. Ich möchte darauf
hinweisen, daß dem ein fataler Irrtum zugrunde liegt, der uns in den
nächsten Jahrzehnten das Leben zur Hölle machen kann.
Freilich kann es sein, daß sich in 1,2 Jahren die Weltwirtschaft wieder
erholt, aber es werden andere Krisen kommen, da diese aus der
mißverstandenen Globalisierung der abendländischen Denkstruktur geradezu
unvermeidlich sind.
Es ist hier nicht Platz genug, die abendländischen Denkstrukturen im
Detail zu beschreiben. Ich habe darüber mehrere Bücher geschrieben. In
der jetzigen Krise wirkt sich besonders der Unendlichkeitswahn Europas
aus - die naive Vorstellung, daß beständiges Wachstum möglich ist, die
aus der abendländischen Struktur des Denkens der Unendlichkeit kommt. Es
ist in dieser Kultur unmöglich, sich Grenzen zu ziehen. Sie leidet an
ihrem eigenen Expansionswahn, der sich verschieden artikuliert, z. B.
auch in der Weise des europ. Universalismus. Der Glaube, daß sich alle
Kulturen unserer Denkstruktur unterwefen müssen, und so leben müßen wie
wir leben, ist ein unfaßbarer Wahn. Aus diesem Denkfehler, alles über
einen Leisten zu schlagen, sind im vergangenen Jahrhundert bereits die
furchtbarsten Verbrechen der Menschheit geschehen - von Hitler über
Stalin bis Mao (ich erwähne hier Mao mit Nachdruck, da sich seine
Brutalität aus seinen Studien der abendländischen Kultur entwickelt hat).
Es gibt schon Auswege aus der gegenwärtigen Krise, die dauerhaft sind.
Sie alle hängen damit zusammen, daß wir auf allen Ebenen der Erziehung
und Ausbildung die Denkstrukturen anderer Kulturen studieren sollten.
Anstatt unsere Kinder dem Mythos der einzigen wahren Lösung auszusetzen,
sollten wir sie zur prinzipiellen "Vielfalt der Lösungen" erziehen. Je
mehr Lösungen für ein Problem angeboten werden können, desto besser.
Der Glaube an absolute Wahrheiten hat in der Geistesgeschichte Europas
große Triumphe gehabt und ist auch die Grundlage für viele großartige
kulturelle Leistungen. Er ist aber in der gegenwärtigen Welt vollkommen
unangebracht - abgesehen davon, daß er auf einem prinzipiellen
Mißverständnis des Konzepts der Wahrheit beruht. Anstelle des Suchens
nach endgültigen Einsichten sollte man Relationen studieren.
Das würde umgelegt auf die Schulbildung bedeuten, anstelle des
Unterrichts in einer europäischen Disziplin, wie z.B. der Physik, der
Biologie oder auch der Literaturwissenschaft, sollte man von Beginn an
mit den Konzepten und Errungenschaften der anderen Kulturen die Schüler
vertraut machen. Wer einigermaßen die kulturellen Leistungen Chinas und
Indiens kennt - um nur 2 Beispiele zu nennen - ist immer wieder bestürzt
über die Borniertheit, die selbst in Akademikerkreisen bis uns herrscht.
Dieses sind ein paar Überlegung zur Anregung. Ich hoffe, Sie fallen auf
fruchtbaren Boden.
Drei Unternehmer machen sich auf und schreiben sich Luft. Unser derzeitiges Wirtschaftssystem fördert alles andere als couragierte, mutige Unternehmer. Am liebsten, sagt die Statistik der Meinungsforscher, würden alle beim Staat arbeiten wollen (über 25% der befragten ÖsterreicherInnen). Am untersten Rand der Skala tauchen Entrepreneure auf (weniger als 1%). Da läuft vieles schief, wenn wir eigenständige, selbstbestimmte und freie Menschen des 21. Jahrhunderts noch immer so "ticken". Das könnte an Bildung und Erziehung liegen. Tut es auch zum Teil. Doch wer sich tief hineindenkt in die systemischen Zusammenhänge wird bald erkennen, dass das Modell unserer modernen Zivilisation entscheidenen "Kapitalfehler" aufweist. Ein Finanzkapital, das schon "bösartiges" Wachstum aufweist, ein Naturkapital, das noch immer beinahe zum Nulltarif zu haben ist und das Sozialkapital der Lohnarbeit, auf dem fälschlich alle Last der Welt gejocht wird. Vielleicht hilft die angesagte Krise, wieder Licht ins verworrene Dickicht zu bringen. Ich sehe darin seit vielen Jahren die größte Chance für eine nachhaltige, zukunftsschaffende und sinnstiftende Entwicklung.
Sehr geehrte Herren,
ich möchte Ihnen aus ganzem Herzen zu Ihrer Initiative gratulieren. Ich habe selbst 12 Jahre in dem einseitig gewinnorientierten win/loose Wirtschaftsrad bis hinauf in Vorstandsfunktionen funktioniert, bevor ich mich vor 8 Jahren aufgrund einer inneren Leere und Wirkungslosigkeit für eine Veränderung hin zu einer gemeinschaftlichen Win/Win Wertehaltung auch im Wirtschaftsleben entschieden habe. Der Weg zur Veränderung ist steinig und hat seinen Preis (z.B.wird man belächelt, es gibt Ablehnung und Entfremdung in Familien-, Freundes- und Geschäftskreisen, etc.) aber ich würde NIE WIEDER tauschen wollen und ich kann diesen Schritt nur jedem ans Herz legen. Die Lebensqualität ist unvergleichbar besser. Heute gebe ich als selbständiger systemischer Berater und Aufstellungsleiter meine persönlichen Erfahrungen mit Freude weiter und merke am regen Zulauf wie sehr die "Krise" das Bewußtsein für notwendige persönliche Veränderungen unterstützt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass eine große Veränderung der Wertehaltung nur durch die Vielzahl der Veränderung Einzelner erreicht werden wird. Und jeder muss für sich damit beginnen. In Afrika heißt das "Ubuntu" und bedeutet: "Ich bin, weil wir sind".
Vielen Dank für diese Gelegenheit.
Miklós Szalachy, MAS
systemischer Coach und Aufstellungsleiter
m.szalachy@adamo.co.at
Werter Robert Rogner.
Beim ersten Durchlesen eures Manifestes ist man einerseits verwundert über den Zugang zu ganz alltäglichen Themen, andererseits spiegelt es den Eindruck, den ich gerade von dir in den letzten Jahren der Zusammenarbeit und aufkeimenden Freundschaft gewonnen habe, wieder.
Es geht im Wirtschaftsleben immer wieder um Gewinne, Maximierung derselben und um Anerkennung. Gerade das hat für viele in der Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft eben auch immer mit Geld, Statussymbolen und vielfach auch Luxus zu tun.
Ich gehe ganz bewusst auf die untere sehr breite Basis der immer wieder angesprochenen Pyramide ein, den dies ist die Basis des Ganzen, von hier kann unter Mithilfe des Managements sehr viel ausgehen.
Eben an dieser Basis ist es aber nicht immer leicht, nach all den erstrebenswerten Vorgaben von natürlichen Lebensmitteln, Fair Trade und all den verschiedenen Titeln einzukaufen. Vielfach scheitern die einfachsten Dinge am „sich das nicht leisten können!“ Der Ansatz sollte eben auch derjenige sein, dass ein allgemeines Umdenken in der Herstellung von Lebensmitteln einsetzt, durch eine Änderung der Förderrichtlinien sollte nur noch ein Mindestmass an Umweltverträglicher Herstellung gefördert werden, unter Einbeziehung von Transportwegen und natürlicher Haltung. Bei einem geringen Einkommen ist die Verlockung sicher sehr gross, im Supermarkt ein Ei unbekannter Herkunft wesentlich günstiger zu kaufen als ein Freilandei.
Es ist im Umgang mit den Mitarbeitern laut Blumauer Manifest nicht anders als am Bauernhof der Verkauf von Eiern glücklicher Hühner.
Aus Erfahrung weiss ich, dass man in einer angenehmen Umgebung eben viel mehr Leistung erbringen kann, dass es eben mit einem Lächeln auf den Lippen besser vonstatten geht, als unter Umsatzdruck und Abhängigkeit von den Launen eines Vorgesetzten. Euer Schritt der anderen Form von Bilanzierungen, Förderungen und internationalen Verknüpfungen kann ein vorzeichnen des richtigen Weges sein, aber eben nur sein! Leben und umsetzen kann diesen Weg nur eine breite Basis. Das grösste Problem sehe ich persönlich in der immer wieder geforderten „Zertifizierung“ einfachster Abläufe, Thema Fair Trade etc., dies ist in der Umsetzung sowohl teuer als auch sehr oft ein Hemmnis für viele, daran teilzunehmen.
Ich weiss aus persönlicher Erfahrung unserer Einkaufsreisen in Indonesien, dass wir viele unserer kleinen Produzenten ausschliessen würden, da sie sich ein Fair Trade Zertifizierung in diesem Bereich gar nicht leisten könnten. Aus diesen Erfahrungen heraus sehe ich auch einen entscheidenden Fehler in der Aussage von Hrn. Zotter, der die Angleichung des Lebensstandards in den Entwicklungsländern als Ziel sieht. Es kann in gewissem Ausmass sicher so sein, der entscheidende Fehler besteht jedoch darin, immer Alles mit unserem Standard zu vergleichen, denn gerade Das ist nicht möglich! - oder wollen wir das Glück unserer Kinder, das vielfach auf dem Besitz eines i-pod oder Nintendo beruht, wirklich als Errungenschaft exportieren?
Gerade deshalb lassen sich (Gott sei Dank) nicht alle unserer Errungenschaften exportieren und den Kindern bleibt ihr offenes Lachen und den Erwachsenen ihr doch oft legerer Umgang mit dem Thema Arbeit und dadurch eine für uns meist unerreichbare Zufriedenheit.
Der asiatische Umgang mit der Zeit ist einzigartig, es gibt in Indonesien sogar den Begriff der „Gummizeit“, Termine exakt zu definieren ist unrealistisch und gewöhnungsbedürftig.
All diese verschiedenen Themen sind es, die den Umstieg in ein neues und bewussteres Wirtschaftsleben laut Eurem Manifest so komplex und schwierig machen, der nur mithilfe unserer wichtigsten Personen funktionieren kann. – mit Hilfe unserer Kinder, denn nur sie können der Garant dafür sein, uns überhaupt erst zu motivieren und in weiterer Folge auch unsere Ideen weiter zu tragen.
Dazu passt einer meiner Lieblingssprüche:
„was nützt die beste Erziehung,
die Kinder machen uns doch Alles nach …. „
Zum Schluss bleibt mir nur noch ein herzliches Dankeschön für das Niederschreiben dieses Manifestes und der damit verbundenen Aufmerksamkeit für eben diese so gewichtigen Problematik der Wirtschaft unserer Zeit.
Noch eine Bitte, bitte weiter so!
Lieber Robert,
Das Wort Krise haben wir komplett aus unserem Wortschatz gestrichen, wir reden nur noch von "Verschnaufpause".
Wer vom überdurchschnittlichen Aufschwung in der ersten Jahreshälfte 2008 voll profitiert hat, muss wohl oder übel auch den Abschwung mit erleben.
Wir haben intern die erste Jahreshälfte 2008 einfach ausgeblendet und liegen derzeit auf dem Niveau von 2007. Wenn dann die Kosten dazu passen, können wir das locker aussitzen.
Herzliche Grüße aus dem Schindlerhof
Klaus
"Wir erleben im Zeichen von Ressourcenverknappung, Klimawandel und Finanz- und Wirtschaftskrise einen weltweiten Paradigmenwechsel, der sich vom Verbraucher durch Unternehmen bis in Regierungsebenen zieht. „Change“ ist mehr als nur das Schlagwort des Jahres. Die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, schreit geradezu nach Bewusstseinsveränderung und Wertewandel. Brauchen wir dazu den „Vollkasko-Staat“ oder sollten wir nicht besser selbst unseren Teil der Verantwortung übernehmen? Am Beispiel Gutmann-Rogner-Zotter!
Mit der geistigen Haltung des letzten Jahrhunderts können wir den Herausforderungen des globalisierten Zeitalters sicher nicht gerecht werden. Es ist Zeit für innovatives Denken und Wirtschaften mit einem neuen Unternehmergeist. Einem neuen Unternehmergeist, der innovatives, vernetztes Denken und Wirtschaften mit der „vergessenen Moral“ verbindet, mit Werten, wie der guten alten Handschlagqualität, gelebter Solidarität in neuartiger Dimension sowie Natürlichkeit statt mit Egoismus, Materialismus, Wachstumswahn, Profitgier und Macht. Mensch und Natur im Mittelpunkt des Wirtschaftens."
Sehr geehrter Johannes Gutmann, sehr geehrter Robert Rogner, sehr geehrter Josef Zotter,
ich gratuliere zu den Inhalten des Bad Blumauer Manifests, unterstütze gerne diese konkreten Ideen und wünsche ein erfolgreiches Überspringen des Funkens in die Politik für solche Visionen mit entsprechender Gestaltungsenergie.
Viel Erfolg und alles Gute
Andreas Reinisch
ar@reinisch-RESPONSibility.com
www.reinisch-RESPONSibility.com
Ein Jahr später, oder die große Fehldiagnose
Nichts hat sich geändert, und doch ist alles anders. Das herrschende System, dass die Erde in jene Situation geführt hat, die technisch als Krise bezeichnet wird, ist immer noch vorhanden. Und schlimmer noch, es bestimmt immer noch die Richtung in die wir gehen. Die Symptome wurden und werden bewusst falsch gedeutet. Und daraus wird auch kein Geheimnis gemacht. Die negative Energie ist sehr lernfähig. Positive, langsam aufkeimende Zellen wurden benutzt um Änderungen vorzutäuschen, und zugleich ihnen die Kraft der Veränderung zu nehmen.
Doch was ist eigentlich passiert? Vorweg, das war sicher nicht der Supergau. Jedoch ist die Gefahr größer geworden. Ein von den Menschen bestimmtes Wertesystem ist erschüttert worden. Die Menschen konnten sehen, dass nicht sie die Werte bestimmen können, sondern, dass diese auf einem hoch komplizierten ganzheitlichen System basieren. Und doch kann jeder, der dazu bereit ist sie erkennen und respektieren. Oft hat man gehört, dass Vermögen vernichtet worden sind. Das ist natürlich Unsinn, da echte Werte nur sehr beschränkt Materie bilden, und zu einem großen Teil immateriell, und positive Energie sind.
Ein Beispiel:
Unternehmen verloren an den Börsen ¾ , oder mehr ihres Wertes. Haben diese jetzt ¾ weniger energetischer Substanz? Haben die jetzt ¾ weniger Know how? Können die jetzt ¾ weniger produzieren? Sicher nicht. Alleine sie sind ausgesaugt und können die Gier jener nicht mehr befriedigen die sich lange ihrer bedient haben. Und genau jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für einen ethischen Kassasturz. Der findet aber kaum statt, da der Schmarotzer erkennt, dass die Energie seinen Wirt noch nicht verlassen hat. Darum gaukelt er ihm vor, ihn ziehen zu lassen, um rechtzeitig wieder sich seiner bedienen zu können. (siehe GM und Opel)
Wobei sich hier gezeigt hat, dass nicht die Größe entscheidend ist ob man überleben kann. Viele Klein- und Mittelbetriebe, und das ist die positive Erkenntnis, machen sich sehr gut im letzten Jahr. Sie sind viel weniger Zielobjekte der Gier und der negativen Energie, weil sie besser geschützt sind gegen Angriffe von außen. Ihre Werte lassen sich nicht so einfach absaugen und in einen kurzfristigen Drogenrausch verwandeln.
Aber was ist abseits dieser vielen unbekannten Energieträger passiert? Viele große Unternehmen bekamen verseuchte Eigenblutzufuhr in Form von staatlichen Hilfsprogrammen. Der Wirt kann seinen Schmarotzer wieder ernähren. Die Börsenkurse steigen. Strukturell hat sich nichts geändert.
Die Natur hat uns längst die Antwort auf solch ein Verhalten gegeben. Wenn ein Krebspatient genügend Blutkonserven bekommt, fühlt er sich sofort besser. Der Tumor wächst jedoch noch schneller…
Es ist sicher noch nicht zu spät nachhaltig die Dinge zu ändern. Positive Energie ist aus der Definition heraus nicht aufdringlich, und daher nur wahrnehmbar nur für den Suchenden. Die harten Prüfungen, die jetzt erst richtig beginnen werden, dienen dazu die negative von der positiven Energie zu trennen. Früher waren es Kriege die schlussendlich die Fratze der negativen Energie enttarnten. Wir haben gelernt, aber die negativen Kräfte auch. Jetzt gilt es in allen Bereichen die eigenen Instinkte wieder zu finden, und ihnen zu vertrauen.
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