Wie alles gut wird - Bad Blumauer Manifest 2010

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Gesprächspartner:
Julia Fandler (Ölmühle Fandler)
Ernst Gugler (gugler)
Johannes Gutmann (SONNENTOR)
Wolf Lüdge (hessnatur)
Robert Rogner jun. (Rogner-Tourismus-Betriebe)
Josef Zotter (Zotter Schokoladen)

Wie alles gut wird – Blumauer Manifest zur Sanierung der Wirtschaft
Die österreichischen Unternehmer Robert Rogner jun. (Rogner Tourismusbetriebe), Johannes Gutmann (SONNENTOR) und Josef Zotter (Zotter Schokoladen Manufaktur) legten vor einem Jahr das Bad Blumauer Manifest zur Sanierung der Wirtschaft vor und ziehen nun Resümee. Das Manifest hat bereits national und international Wellen geschlagen und macht eine weitere Forderung notwendig.

Schon im Jänner 2009 galt:
„Die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise liegen seit langem auf den Tisch. Sie werden von den innovativen Unternehmern und Institutionen seit Jahren erprobt und weiter entwickelt. Jetzt müssten sie nur noch als relevante Größen in den internationalen Wirtschaftskontext integriert werden.“
In ihrem Manifest zeigten die Unternehmer in drei Punkten, wie ein Ausweg aus der noch immer anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise möglich ist:

1. Neue Bilanzierungsregeln
Die in Basel II festgeschriebenen Bilanzierungsregeln sichern jenen Unternehmen die beste Bonität, die nachweislich in möglichst kurzer Zeit, mit möglichst geringem Risiko, möglichst viel Gewinn erzielen. Wozu das führt, haben zum Beispiel die „Heuschrecken“ bewiesen: weniger Mitarbeiter, weniger Forschung & Entwicklung und letztendlich Zerschlagung von Unternehmen. Wegen solcher Maximen konnte die Finanzblase erst entstehen.

Gefordert ist deshalb ein Basel III mit neuen Bilanzierungsregeln: Die Bonität von Unternehmen muss an Faktoren wie die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Geschäftspartnern sowie ökologische Aspekte geknüpft werden. Neben dem Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital muss sich etwa auch das Verhältnis zwischen Gewinn und Mitarbeiterzufriedenheit auf die Bonität auswirken.
„Wer nachhaltig wirtschaftet bekommt damit günstigere Kredite und hat leichteren Zugang etwa zu Risikokapital“, erklärt Robert Rogner. „Die Vorarbeiten dafür seien bereits geleistet. Rogner: „Viele Unternehmen legen schon von sich aus Nachhaltigkeitsberichte, und Institutionen wie das Europäische Forum für Qualitätsmanagement verfügen längst über objektive Bewertungssysteme.“

2. Qualifikation
Von den derzeit agierenden Wirtschaftskapitänen ist kaum zu verlangen, dass sie die Krise, die sie selbst verursacht haben, meistern. Sie haben den Schaden ja nicht aus bösem Willen angerichtet, sondern weil sie an den Universitäten und Managementschulen den Shareholder Value als einzige Religion mitbekommen haben und auf Gewinnmaximierung um jeden Preis eingeschworen wurden. Maximalem Stress ausgesetzt, haben sie vielfach das Reflektieren der Folgen ihres Handelns verlernt und mangels Außensicht blinde Flecken entwickelt.

Die derzeitigen Akteure können aber auch nicht einfach ausgewechselt werden. Es geht also darum, ein neues Bewusstsein in der bestehenden Management-Elite zu schaffen. In neuen Bewertungssystemen für die Unternehmen muss deshalb auch berücksichtigt werden, wie viel Zeit im Jahr Spitzenmanager für Selbstreflexion und Selbstreinigung in geistiger, seelischer und körperlicher Hinsicht aufwenden.
„Es geht nicht etwa um einen zusätzlichen Urlaub, sondern um einen planmäßigen, vom Unternehmen verlangten Rückzug, wie er etwa im japanischen Spitzenmanagement Tradition hat“, betont Johannes Gutmann. „Denn nur wer sich innerlich selbst umgestellt und gereinigt hat, kann die Wirtschaft umstellen und reinigen.“

3. Globale Verantwortung
Die Wirtschaft der Industriestaaten ist zum Teil auf Kosten der Schwellen- und Entwicklungsländer immer höher in den Himmel gewachsen. Mit zunehmender Höhe wird aber die Statik immer schwieriger. Deshalb geht es jetzt um den globalen Ausgleich, der ebenfalls in den Bewertungsrichtlinien für Unternehmen berücksichtigt werden muss.
„Jedes Unternehmen kann einen Beitrag zu diesem Ausgleich leisten“, sagt Josef Zotter, der den Kakao für seine Schokolade bei kleinbäuerlichen Partnerbetrieben in Süd- und Mittelamerika kauft. „Wer nicht selbst international agieren kann, kann sich der Fairtrade-Netzwerke bedienen.“

„Die Industriestaaten werden dann etwas kürzer treten müssen, was ihren Bevölkerungen aber mehr Lebensqualität bringt“, so Zotter weiter. „Denn der Wachstumswahn hat eines der wichtigsten Güter der Menschheit, die Zeit, unerträglich verknappt. Globaler Ausgleich bringt Entschleunigung.“


Zehn Gebote für nachhaltiges Wirtschaften
Zusätzlich zu den Forderungen an die Wirtschaft definieren Johannes Gutmann, Robert Rogner und Josef Zotter mit dem Bad Blumauer Manifest zehn Gebote für nachhaltiges Wirtschaften:
Neue Wege brauchen neue Denkansätze und Richtungen.
Gewinnmaximierung ist eine Einbahn, weg mit der Boniwirtschaft und dem Druck nach mehr Geld.
Gewinn und nachhaltiges Wirtschaften ist kein Widerspruch.
Es kann nicht sein, dass die Gewinne den Managern gehören und die Schulden dem Staat.
Kapitalgewinne müssen mindestens so besteuert werden wie Gewinne aus der Realwirtschaft.
Sozialer und ökologischer Wertezuwachs ist höher zu bewerten als finanzieller Gewinn, wir brauchen neue Beurteilungskriterien.
Jeder übernimmt Eigenverantwortung für sich und seine Mitmenschen, wir sitzen alle in einem Boot.
Mitarbeiter wertschätzen und motivieren und nicht pensionieren.
Mikrokredite auch für Europäische Jungunternehmer, für unsere Zukunft.
Es gibt keine zweite Erde, wir können Geld nicht essen.

Weg bestätigt – Unternehmen am Erfolgskurs
Dass nachhaltiges Wirtschaften auch in schwierigen Zeiten zum Erfolg führen kann, beweisen die drei Unternehmer ein Jahr nach der Grundsteinlegung des Bad Blumauer Mainfests. Alle drei Unternehmen konnten mit ihrer werte- und nachhaltigkeitsorientierten Vorgehensweise punkten und in ökonomisch schwierigen Zeiten sogar wachsen.

Der waldviertler Bio-Pionier SONNENTOR beispielsweise konnte im Geschäftsjahr 2009/10 einen Umsatzzuwachs um 15 % auf 20 Mio. EUR verzeichnen. Der Mitarbeiterstand in Österreich stieg gegenüber dem Vorjahr sogar um 16 % auf 130 Beschäftigte. Das Wachstum bringt auch den Bedarf an einer zusätzlichen Verarbeitungshalle sowie eines neuen Bürogebäudes mit sich. Die Investitionen dafür belaufen sich in den nächsten zwei Jahren auf rund 4 Mio. EUR. Ein innovatives Photovoltaik-Projekt weist auch den Erfolgsweg in der künftigen Energieversorgung. Das Beteiligungskonzept zur nachhaltigen Stromerzeugung nutzt das Lachen der Sonne und spart mehr als 60 Tonnen CO2 ein.

Für das Rogner Bad Blumau gilt Ähnliches: Während die Thermen in der Steiermark 2009 einen durchschnittlichen Gästeschwund von 1,3 % und einen Umsatzrückgang von 1 % (lt. Studie von „Kreutzer Fischer und Partner“) zu beklagen hatten, freute man sich in Hundertwassers berühmtem Hügelwiesenland sogar über eine leicht erhöhte Besucheranzahl (0,13 %) sowie über einen deutlichen Umsatzanstieg (4,8 %). Der durchschnittliche Blumauer Gast hat damit 2009 ebenfalls um knapp 5 % mehr ausgegeben, als im Jahr davor.

Die Zotter Schokoladen Manufaktur hinterlässt ihren ökologischen Fußabdruck sogar in weit entfernten Ländern, wie etwa Kolumbien. Und sorgt dort im Rahmen von Projekten dafür, dass den Menschen mit dem Anbau von Kakao eine Alternative zur Anpflanzung von Kokain geboten wird.

Bad Blumauer Manifest – Immer mehr Befürworter
Immer mehr erfolgreiche Unternehmer finden ihre Unternehmensphilosophie in den Werten des Blumauer Manifests wieder und schließen sich den Forderungen an. So wie Julia Fandler von der gleichnamigen steirischen Qualitäts-Ölmühle: „Das Bad Blumauer Manifest spiegelt einen sehr großen Teil unserer Unternehmenskultur wider“, so Julia Fandler. „Bei uns wird ‚Menschlichkeit‘ gelebt. Diese Grundeinstellung zeichnet unsere interne Zusammenarbeit aus und wird auch mit Kunden und Lieferanten gelebt. Die Natur und ihre Ressourcen werden respektvoll behandelt. Und, wir akzeptieren das ‚Anderssein‘ nicht nur, sondern arbeiten und leben damit. ‚Entschleunigung‘ im Umgang mit den Menschen und Besinnung auf ursprüngliche Produktionsverfahren. Qualität vor Quantität!“

Ernst Gugler, dessen Melker Kommunikationshaus schon mehrfach als Vorzeigebetrieb in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz ausgezeichnet wurde, zählt ebenfalls zu den Unternehmern, die mit den Zielsetzungen des Blumauer Manifestes genau auf einer Linie liegen: „Seit Beginn der Krise hat die Politik Unsummen von Geld ins alte System gepumpt. Mit dem Ergebnis, dass die Staaten – und somit das Volk – noch höher als vorher verschuldet und die Reichen im Gegenzug reicher geworden sind. Wie es scheint, hat die Politik versagt. Deshalb sind wieder mehr die Bürger und ihre Unternehmen gefragt – vor allem KMUs und Familienbetriebe wie zum Beispiel die Initiatoren des Bad Blumauer Manifests. Also jene, die ohnehin das Rückgrat der Wirtschaft darstellen und um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“

Eine vierte Forderung: Dezentralisierung
Zeitgleich mit ihrem Jahresresümee ziehen die drei Initiatoren des Bad Blumauer Manifestes – Robert Rogner, Josef Zotter und Johannes Gutmann – mit einer vierten Forderung, die sie an Wirtschaft und Politik richten, nach: Die Werte und Grundsätze eines nachhaltigen und verantwortungsvollen Wirtschaftens sollen auch über Österreichs Grenzen hinaus (mit)getragen werden. Unterstützung erhalten sie dabei von hessnatur Geschäftsführer Wolf Lüdge: „Die Wirtschaft hat ihren ursprünglichen Auftrag aus den Augen verloren. Es ging mal darum, dass Unternehmer im wahrsten Wortsinn etwas unternehmen, dass sie ihr Gedankengut in die Tat umsetzen. Der Trend heute geht jedoch hin zu global agierenden Konzernen, die sich hauptsächlich am Shareholder Value orientieren“, so der deutsche Unternehmer, dessen Betrieb sich dank konsequenter Qualitätsphilosophie auch in der Wirtschaftskrise hervorragend entwickelt.
„Ich sehe grundsätzlich die Notwendigkeit einer Dezentralisierung unserer gesamten Wirtschaftsstruktur, um wieder zu einem gesunden Kräfteverhältnis zurück zu kehren. Weg von globalen Riesen, hin zu kleineren mittelständischen Einheiten, die die Banken – gemäß ihrem eigentlichen Zweck – mit einer adäquaten Finanzierung versehen.“

Andere zum Nachahmen begeistern
Die Initiatoren des Bad Blumauer Manifests laden nationale und internationale Unternehmen und Institutionen dazu ein, den nachhaltigen Erfolgsweg gemeinsam weiter zu gehen und die Forderungen des Manifests an ein breites Publikum zu kommunizieren. „Wir möchten eine Bewegung nachhaltigen unternehmerischen Handelns auslösen und Bewusstsein in der breiten Bevölkerung schaffen, indem wir Best Practice Beispiele aufzeigen und andere begeistern“, so die Initiatoren. „Im Vorjahr haben wir bereits zahlreiche Gespräche und Informationsveranstaltungen zum Thema initiiert bzw. daran teilgenommen. Je mehr Multiplikatoren, desto größer die Breitenwirkung“, sind die Initiatoren überzeugt.


Pressefotos
Pressetext


Rückfragehinweis:
Johannes Gutmann
SONNENTOR. T. 02875 7256
http://www.sonnentor.com/

Robert Rogner jr.
Rogner International Hotels & Resorts. T. 04242 23237 10
http://www.blumau.com/

Josef Zotter
Zotter Schokoladen Manufaktur. T. 03152 5554
http://www.zotter.at/

Julia Fandler
Ölmühle Fandler. T. 03335 2263
http://www.fandler.at/

Ernst Gugler
gugler*. T. 02752 500 50
http://www.gugler.at/

Wolf Lüdge
Hess Natur-Textilien. T. +49 (0)6033 991-254
http://www.hessnatur.com/


Kurz gesagt: Wie alles gut wird

Punkt 1
Wir wünschen uns Unternehmensbewertungen, die die soziale und ökologische Verantwortung mit einbeziehen und damit einen besseren Zugang zu Kapital schaffen.

Punkt 2
Wir wünschen uns eine Neuorientierung der Spitzenmanager. Weg mit der Gier, weg mit der Boniwirtschaft und dem Druck.

Punkt 3
Wir wünschen uns den Beitrag aller Unternehmen, um einen Ausgleich zwischen Arm und Reich zu schaffen. Fair und solidarisch.

Punkt 4
Wir wünschen uns eine Dezentralisierung unserer Wirtschaftsstruktur. Mehr regional – weniger global.


www.badblumauermanifest.com
Robert Rogner jun., Josef Zotter, Johannes Gutmann

1 Kommentar:

  1. Dorit Hain11.01.12, 22:34

    DANKE! Hier sieht man wieder, daß Wirtschaft nur mit nachhaltigem Denken und Handeln erfolgreich sein kann und für alle Seiten mehr als zufriedenstellend!

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