Zotter wird zum Lerninhalt an der Harvard



Als erster österreichischer Unternehmer wurde Josef Zotter zum Protagonisten einer Harvard Business School Case Study, welche am Freitag, 16. April 2010, mit ihm als Gast in Harvard unterrichtet wurde. Die Studierenden, die Zotter als „Melange zwischen Künstler und Unternehmer“ beschrieben, waren nicht nur von dessen Schokoladen beeindruckt. Wie funktioniert ein Unternehmen, dessen Maxime nicht die Gewinnmaximierung ist? Weshalb verzichtet ein Unternehmen auf klassische Werbung und zudem auf Marktforschung? Wie arbeiten die unabhängigen Kontrollmechanismen im fairen Handel? Josef Zotter sorgt mit seinem Unternehmensprofil in Harvard
für Irritation und erntet doch in Harvards International Entrepreneurship-Klasse nach der Unterrichtseinheit viel Beifall für sein Unternehmensprofil, das sich so stark von den üblichen Firmenkonzepten abhebt.

Anschließend wurde in einer lockeren Runde im Harvard Club of Austria (www.harvard-students.at) weiter zum Thema Nachhaltigkeit debattiert. Josef Zotter erklärte, „Es geht nicht immer darum, von heute auf morgen raketenhaftes Wachstum zu erzielen. Viel wichtiger ist es, zu lernen mit unseren Ressourcen umzugehen und dadurch die Lebensbedingungen für alle positiv zu beeinflussen. Wir zahlen unseren Kakaobauern beispielsweise den vierfachen Weltmarktpreis für ihre Bohnen, um sie einerseits anzuspornen, die Qualität des Kakaos zu perfektionieren und ihnen andererseits bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.“ Von der Bohne weg zu produzieren gehört bei Zotter zum Insourcing-statt-Outsourcing-Konzept. Die hohen Investitionskosten amortisieren sich natürlich nicht in kurzfristigen Erfolgen. Zotter plant langfristig, wenn er in Mitarbeiter, die Produktion und das Produkt investiert.
„Weltweit die gleichen Produkte – das ist die Welle, das ist der Trend und das ist meine
Horrorvision“
, gibt Zotter zu. „Als Klein- und Mittelständische Unternehmen haben wir die Chance für
Diversität zu sorgen, indem wir regionale Produkte mit einem bestimmten Kulturverständnis
produzieren, die einfach einmalig sind.“

Zotter ermutigte die österreichischen Studierenden und Forscher in Harvard, neue Wege einzuschlagen und nicht vor Herausforderungen zurückzuschrecken. Er beschrieb seinen eigenen Weg zur Selbstständigkeit von der komfortablen Position als Chef-Koch eines Wiener Spitzen-Hotels und sprach davon, dass ein echter Unternehmer auch in schwierigen Zeiten nicht aufgeben dürfe. Zotter selbst war die „zündende Schokolade-Idee“ erst gekommen, als sich der Konditor vor Finanzierungs-Probleme gestellt sah. Schließlich bestärkte der Chocolatier die Jung-Akademikerinnen und -Akademiker darin, ihre Möglichkeiten an der Harvard-Universität und in den U.S.A. bestmöglich auszunutzen, aber auch eine Karriere in Österreich in Betracht zu ziehen: „Die Welt, aber vor allem auch Österreich braucht junge Menschen mit frischen Ideen.“

Josef Zotter verbrachte nach 25 Jahren Abstinenz, von ein paar Kurzaufenthalten abgesehen, 3 Wochen in Amerika plus Zwangspause durch die Aschewolke. „Ich hatte genügend Zeit, um mir auch außerhalb der Oase Harvard ein Bild von Amerika zu machen – und ich muss sagen, dieses Bild ist nicht gerade überwältigend!“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Tipp: Sie können mit "Name/URL" kommentieren und die Option URL auslassen.